Volksmusik aus Oberfranken und Sonstwoher

Konzertrückblicke

 Kultur vom Land 2024

„Leit, Leit, Leit ihr müssts lustich saa…“ mit diesem Zwiefachen eröffnete die Gruppe Hix-Tradimix einen Konzertabend der zwar auf der einen Seite unterhaltsam, aber auch stilvoll und bisweilen zum Nachdenken anregen sollte. Zusammen mit dem Mundartkabarettisten Sven Bach und der Geigerin Amelie von Feilitzsch, welche in Ihrer neuen Heimat als musikalischer Gast an diesem Tag Ihr Debut gab, bestritt die Familienband rund um Frank Hick an der Klarinette, Saxophon und Gesang mit Ferdinand (Klarinette), Martin (Akkordeon) und Moritz (Tuba) einen musikalischen Streifzug durch verschiedene Gefühls- und Stilwelten der Musik.

Begonnen durch den Jüngsten und liebevoll als „Teilzeitaktivisten“ angekündigten Lorenz Hick an der Geige ging es musikalisch von der ungarischen Puszta, über Franken nach Schweden wo er den Sommer mit den Eindrücken von Ida aus „Michel aus Lönneberga“ mit seiner klaren Kinderstimme besang.
Diese musikalische Vorlage durch den 12-jährigen Lorenz veranlasste Sven Bach dazu die heutige Kindheit mit der Kindheit aus seinen Jugendtagen zu vergleichen und humorvoll zu sezieren, da erstaunlicherweise doch der ein oder andere Unterschied im kindlichen Erleben und Aufwachsen festzustellen ist. Ein Beispiel hierfür ist die Interaktion mit dem mittelfränkischen Kioskbesitzer im Freibad, wenn man als Kind eine Limonade erwerben wollte, sich aber noch unschlüssig ob der Geschmacksrichtung ist und dann nach mehreren Versuchen angefangen mit der weißen Limo, doch nur eine gelbe kaufen konnte, weil es eben doch nur diese eine Sorte Limo gibt. Damals erfreute man sich an dem Getränk das man unter Angst, Schweiß und Tränen sich selbst organisiert hat, während heutzutage die Helikoptereltern dem Kinde sogar eine grüne Limonade verschaffen können. Am Ende seiner Einheiten gab es meist noch ein selbst geschriebenes „Mundartliedla“ begleitet mit seiner „Quetschn“ um den Haken zurück zur Musik zu schlagen.


Nach einer kurzen Pause bei typisch fränkischen Brotzeiten, die von der Dorfgemeinschaft vorbereitet und gereicht wurden ging es musizierend vom Klezmer bis zum Blues, wo „die Freiheit“ ihre ganz eigene Interpretation zwischen Saxofon, Faltenbalg und Tuba fand. Auch ein RAP, zur Abwechslung mit Ferdinand am Cajon, über die traditionellen Handwerksberufe mit einem aus der Rockmusik bekannten Rhythmus-Riff ließ das Publikum noch einmal toben, bevor es zu einem weiteren Highlight des Abends kam. 

Amelie von Feilitzsch, mit Ihrer Geige eher in der Klassik beheimatet betrat die Bühne und nahm das Publikum zusammen im Duo mit Martin Hick am Akkordeon mit auf die Reise in das Land des Tangos, bevor alle zum Walzer no. 2 wieder mit einstiegen. Doch nicht nur die Klassik fand ihren Platz, sondern auch ein Volkslied, aus dem österreichischen, welches die Not und Armut der dort lebenden Bevölkerung besang holte so manchen Konzertbesucher wieder in das Hier und Jetzt.


Alles in allem konnten an die 350 Besucher einen Abend voller Gefühl, Kultur und Unterhaltung in Unterhartmannsreuth erleben, bei dem es sich nicht nur um seichtes „Entertainment“ mit Volksmusik handelte, sondern Musik in all Ihren Facetten auf die Bühne kam, was nicht selten zu heftigen Reaktionen aus dem Publikum führte, wo es sogar von der jüngeren Generation das Lob kam „wor fei a echd scheener amd, ich hätt ned gedachd, dass Volksmusigg ah so klinga ko“.


Somit bleibt zum Abschluss nur noch zu sagen: „So trolln wir uns ganz fromm und sacht…“, mit dem gleichnamigen Lied endete auch dieses Konzert. Wobei es hoffentlich nicht das letzte in diese Art sein wird.




Vielen Dank an Melanie Heller von www.visiblememories.de für die fotografische Begleitung des Abends.